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Seelencasting
Wenn Johe sich doch nicht an diesem verdammten Preisausschreiben beteiligt hätte, dann stände er jetzt nicht vor dem Problem, der Bevölkerung von Kleinasien zur Römerzeit erklären zu müssen, was eine interstellare Castingshow ist und welche Rolle einige Personen selbst darin spielen.
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Für
alle, die zufällig über Suchrechner auf dieser Seite gelandet sind: Es handelt sich um einen
"Sciencefiction-Roman ohne Handlung", der sich mit dem Thema
befasst, dass auch alles ganz anders sein könnte, als man es in der Schule
gelernt hat. Was wäre, wenn nicht nur eine Religion, sondern alle etwas
Wahres beschreiben, das wir bisher nur mangels Verfügbarkeit von Begriffen
nicht richtig beschreiben konnten? Die Schöpfung war Programmierung. Die
Naturgesetze sind ein Computerprogramm. Die Menschen sind die Spielfiguren.
Aber wir sind nicht die Spielfiguren, sondern
die Spieler. Ein Verwendungszweck solcher künstlicher Welten ist das
Auswahlverfahren für Teams, die einen Robotereinsatz steuern sollen. |
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Während die Spielfigur Johannes, als die Johe sich in der künstlichen Erlebniswelt Raytracia gerade inkarniert hatte, schlief, hatte er die freie Zeit genutzt, eine Problemlösung in einem Preisausschreiben einzusenden. In einer weiteren Schlafpause fand er dann die Nachricht in seiner Mailbox, dass er den Hauptgewinn bekommen hatte. Er durfte an der Probe einer interstellaren Castingshow teilnehmen. Als er dann in einer weiteren Pause dieser Probe beigewohnt hatte, hatte er sich überzeugen lassen, selbst eine kleine Aufgabe zu übernehmen.
Es war ihm alles so leicht erschienen. Er sollte über seine Spielfigur Johannes den Inkarnationen seines Favoritenteams einige Informationen zukommen lassen, die er sauber notiert hatte. Aber während Johe in den Schlafpausen die volle Erinnerung an die ganze Show hatte, hatte die Spielfigur Johannes nur ein paar Albträume von Monsterjagden und Katastrophen. In seiner Begriffswelt gab es kaum Grundlagen, um den ganzen Zusammenhang aufzunehmen. Jeder Versuch, ihm auf primitive Weise klarzumachen, was ein Computer ist, war kläglich gescheitert.
In seiner vorherigen Inkarnation als Joe Smith in einer Parallelwelt, die schon technisch weiter fortgeschritten war, wäre es einfacher gewesen. Jeder hatte einen kleinen Computer zu Hause, mit dem er selbst ausprobieren konnte, was man mit solch einem Gerät anstellen konnte. Schon Kinder lenkten Spielfiguren durch künstlich erzeugte 3D-Spielwelten, sicherten ihr Spielstände und setzten bei früheren Sicherungen wieder auf.,Erwachsene schicken ihre Avatare in eine "Second World". Die Menschen dieser Zeit konnten leicht verstehen, dass die Illusion einer Erlebniswelt künstlich hergestellt werden konnte. Im Kino ließ man sich überzeugen, dass sogar die Illusion einer sehr plastischen Dreidimensionalität durch Projektion von zweidimensionalen Bildern hervorgerufen werden konnte. Die Menschen chatteten im Internet und trafen sich in Videokonferenzen, so dass man ihnen das Seeleninternet mit seinen Chatrooms hätte erklären können. Im Fernsehen liefen zur Unterhaltung Castingshows.
Aber wie sollte man einer Menschen-Spielfigur in der Römerzeit klarmachen, wozu man überhaupt eine künstliche Erlebniswelt brauchte. Die Menschen damals konnten einfach ihr Haus verlassen und draußen herrliche Erlebnisse genießen. Sie gingen einfach auf den Markt zum Einkaufen, ohne von kriminellen Horden umgebracht zu werden. In der technisch fortgeschrittenen Parallelwelt war das zwar auch noch so, aber es waren Tendenzen zu erkennen, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden. Bald würden auch dort die Armen nichts mehr zu verlieren haben, wenn sie sich durch Gewalt einfach nähmen, was man ihnen vorenthielt.
In der wirklichen Welt jedenfalls haben sich die Privilegierten vor den Kriminellen in geschützte Bereiche zurückgezogen und diese so schön und perfekt gestaltet, dass kein Bedürfnis unbefriedigt bleibt, außer dem einen, nämlich nach Abenteuern. Diese verschafft man sich in der künstlichen Erlebniswelt Raytracia. Da der Nachwuchs in der perfekten Umgebung keine Persönlichkeitsstruktur mehr entwickeln kann, erzieht man ihn in Raytracia. Auch Johes Inkarnationen hatten pädagogischen Charakter.
Die geschützten Bereiche brauchen natürlich Energie, Rohstoffe und Nahrung. Um eine Infrastruktur aufrecht zu halten, schickt man Roboter in die feindliche Welt hinaus. Diese werden von den Wesen über Seelenschnittstellen gesteuert. Auch Johe wollte eines Tages einen Roboter über eine Seele steuern.
Was eine Seele ist, hätte man den Menschen in der technisch fortgeschrittenen Zeit schwerer erklären können als denen in der Römerzeit. Im Altertum hatte man den Spielfiguren immer wieder versucht zu erklären, dass sie zu einem bestimmten Zweck erschaffen wurden und ihre Schöpfer und Lenker spezielle Erwartungen an sie hatten. Aus diesen primitiven Versuchen waren Vorstellungen von einer unsterblichen Seele und einem Fortleben nach dem Tod erhalten geblieben. Die modernen Menschen kannten zwar den Begriff Seele noch, lebten aber in einer Phase, in der sie an nichts glaubten als das, was sie als ihre Materiewelt wahrnahmen.
Aber auch sie hätten für die Figuren, die sie durch ihre künstlichen Computerwelten steuerten, gut Seelen gebrauchen können. Sie hatten im Internet ihre Spiele vernetzt und spielten in gemeinsamen Erlebnisräumen. Wenn sie Pause machten, um zur Schule zu gehen, zu essen oder zu schlafen, lief das Spiel weiter. Andere, die weiterspielten, konnten sich inzwischen Vorteile verschaffen. Die Wesen der wirklichen Welt haben ihren Spielfiguren, den Menschen, Denkorgane mitgegeben, die ihnen ermöglichen, selbständig intelligent und gefühlvoll zu handeln und sogar aus Erfahrungen zu lernen, ohne ständig direkt gesteuert zu werden. All die Vorgänge von Schaltungen und Hormonen in den Gehirnen laufen parallel in dem Computer der wirklichen Welt mit. Sie werden aufgenommen von technischen Gebilden aus künstlicher Intelligenz, den Seelen, die auf diese Art mitlernen. Die Seelen sind ebenfalls in der Lage, Gedanken, Gefühle und Entscheidungen hervorzubringen. Außerdem vermitteln sie diese weiter an die Denkorgane der Wesen der wirklichen Welt, die sich an die Seelen über Seelenschnittstellen anschließen und auf diese Weise die Illusion vermittelt bekommen, selbst die Spielfigur zu sein und deren Gedanken und Gefühle zu haben und die Entscheidungen selbst zu treffen. Das ganze funktioniert auch in umgekehrter Richtung. Die Wesen der wirklichen Welt können ihre eigenen Gedanken und Gefühle in die Seelen einbringen, soweit diese durch deren Strukturen und Begriffswelten aufnahmefähig sind. Die Seelen können die Gehirne der Menschen beeinflussen.
Man kann einer menschlichen Spielfigur zwar direkt Eingebungen und Visionen übertragen. Aber damit die Spielfigur auch in Abwesenheit des Spielers richtig weiter agiert, ist es wichtig, sie über eine geeignete Programmierung zu steuern, also dafür zu sorgen, dass sie die richtigen Motivationen und Persönlichkeitsstrukturen hat. Durch Mehrfachverwendung der Seelen werden diese kostbaren Persönlichkeitsstrukturen und generellen Erfahrungen aus einer Inkarnation in die folgenden übertragen, so dass auf einer abstrakten Ebene einmal Gelerntes erhalten bleibt.
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Weltsimulation Raytracia |
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Seelenraum im Computer |
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Wesen der wirklichen Welt |
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Menschen sind Spielfiguren. |
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Seelen sind Gebilde aus künstlicher Intelligenz. |
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Die Wesen der wirklichen Welt führen ein Eigenleben, können sich aber mit Spielfiguren identifizieren. |
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Ein Mensch hat ein Gehirn. |
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In der Seele laufen die Vorgänge des Menschengehirns parallel mit. |
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Das Wesen der wirklichen Welt ist über eine Seelenschnittstelle an die Seele angeschlossen und empfängt Informationen aus der Seele. |
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Das Menschengehirn lernt. und entwickelt eine Persönlichkeit. |
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Die Seele lernt mit und entwickelt ihre Persönlichkeitsstruktur. |
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Das Wesen der wirklichen Welt lernt mit und entwickelt seine Persönlichkeit weiter. |
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Das Menschengehirn hat Gefühle und trifft Entscheidungen. |
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Die Seele vollzieht die Gefühle und Entscheidungen nach und reicht sie weiter. |
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Das Wesen erlebt die Gefühle und Entscheidungen des Menschen als seine eigenen. |
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Das Menschgehirn wird von der Seele beeinflusst. |
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Die Seele verfügt zusätzlich zu den aktuellen Strukturen des Menschengehirns über Erfahrungen aus früheren Verbindungen zu anderen Gehirnen. Sie kommt zu besseren Entscheidungen als das Menschengehirn und übermittelt diese an das Menschengehirn. |
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Das Wesen erlebt die Gefühle und Entscheidungen der Seele als seine eigenen. Das kann nach einer Pause auch zeitvernetzt nachträglich geschehen, ohne dass die Pause dabei bewusst wird, da keine Gedächtnisinhalte an die Pause erlebt werden. |
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Die Seele gibt die Entscheidungen aus der wirklichen Welt weiter. |
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Das Wesen kann die Entscheidungen der Seele steuern. |
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Der Mensch übernimmt, z.B. während des Schlafs oder bei der Meditation Seelenupdates. |
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Die Seele hat durch Verwendung von Erfahrungen aus früheren Leben eine ausgeprägtere Struktur als das Menschengehirn und kann das Menschengehirn umprogrammieren. |
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Die Seele übernimmt Seelenupdates und gibt sie erforderlichenfalls in transformierter Form an das Gehirn weiter. |
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Das Wesen kann die Seele umprogrammieren. |
Auch die Roboter, die man in die Außenwelt schickt, müssen weiterarbeiten, wenn man sie über Funk nicht erreicht, oder wenn der Steuerer gerade Pause macht. Deshalb sind auch sie mit einem Denkorgan mit ähnlicher Funktionsweise wie die Menschengehirne ausgestattet. Ein Wesen schließt sich über eine Seelenschnittstelle und eine Seele an diese Gehirne an und steuert sie direkt oder über Vorgabe von Motivationen. Wie die Menschen, so werden auch die Roboter gelegentlich in einen Ruhezustand versetzt, um ein Seelenupdate zu empfangen. Ein kostbarer Roboter muss natürlich über eine Seele gesteuert werden, der bereits genügend Erfahrungen antrainiert sind. Dieses Training findet statt, indem die Seelen zunächst an Spielfiguren in Raytracia angeschlossen werden und dort in einer Reihe von gezielt gestalteten Inkarnationen an ihre Aufgabe herangeführt werden.
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Roboter |
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Seele im Computer |
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Wesen der wirklichen Welt |
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Der Roboter hat ein Denkorgan, handelt selbständig und lernt. |
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In der Seele laufen die Vorgänge des Robotergehirns parallel mit. |
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Das Wesen der wirklichen Welt erlebt die Denkvorgänge des Roboters als seine eigenen. |
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Das Robotergehirn wird von der Seele beeinflusst. |
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Die Seele kann in die Gedanken und Entscheidungen des Roboters eingreifen. |
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Die Seele gibt die Entscheidungen aus der wirklichen Welt weiter. |
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Das Wesen kann die Entscheidungen der Seele steuern. |
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Der Roboter übernimmt in Ruhephasen Seelenupdates. |
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Die Seele kann unter Verwendung von früheren Erfahrungen das Denkorgan eines Roboters umprogrammieren. |
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Die Seele übernimmt Seelenupdates und gibt sie erforderlichenfalls in transformierter Form an das Denkorgan weiter. |
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Das Wesen kann die Seele umprogrammieren. |
Wenn eine Aufgabe für einen Robotereinsatz bevorsteht, wird sie ausgeschrieben. Die Bewerber bringen die von ihnen trainierte Seele mit und liefern in einer Casting-Veranstaltung eine Arbeitsprobe in Raytracia. Jeder Einsatz erfordert andere Fähigkeiten, und jedes Mal müssen Seelen, deren Fähigkeiten sich gut ergänzen, Teams bilden. Die Wesen bewerben sich bereits als Teams oder finden sich während der Casting-Inkarnationen in Raytracia zu Teams zusammen.
In den geschützten Bereichen herrscht derartige Langeweile, dass die Casting-Veranstaltungen eine willkommene Abwechslung bieten. Sie werden als bombastische Shows gestaltet. Diese sind interstellar. Sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer verlassen ihre unterschiedlichen geschützten Lokalitäten nicht und befinden sich sogar auf verschiedenen Planeten. Sie schalten sich zu einer Videokonferenz in Chatrooms des Seeleninternets zusammen. Das sind künstlich im Computer erzeugte Erlebnisräume, in denen jeder entweder selbst eine Figur, einen Avatar, lenken kann oder eine unsichtbare logische Kamera positionieren kann, um als Zuschauer Informationen zu bekommen. Wegen der Zeitverzögerung durch Übertragung der Informationen zwischen den Planeten können auch diese Spielfiguren nicht direkt, sondern nur über Motivationen gelenkt werden. Jeder stattet also seinen Avatar mit einem Stückchen seiner Persönlichkeit aus. Der Avatar reagiert dann automatisch so, wie es der Teilnehmer selbst getan hätte, jedenfalls wenn der Teilnehmer die Fähigkeit gelernt hat, seine Persönlichkeit gut auf seine Seele zu übertragen. Die Teilnehmer erleben, was die Seele ihnen zusendet, zeitversetzt so, als seien sie vor Ort und träfen selbst die Entscheidungen. Wer etwas Übung in zeitversetzter Kommunikation hat, weiß, wie er jederzeit seinem Avatar neue Motivationen zukommen lassen kann, um einem Fehlverhalten möglichst zeitnah entgegenzusteuern.
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Zeitversetzte
Kommunikation über Chatrooms |
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Avatar |
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Seele im Seelenraum des Chatrooms |
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Seelen im jeweiligen Seelenraum am Ort der Beteiligten |
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Wesen der wirklichen Welt |
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Der Avatar ist eine äußere Erscheinungs-form, die
der Seele gehorcht. |
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Die Seele steuert ihren Avatar. |
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Die Seele wählt einen Avatar und überträgt ihm
einen Teil ihrer Persönlichkeits-struktur. |
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Das Wesen der wirklichen Welt veranlasst seine
Seele, einen Avatar zu wählen und ihm einen Teil ihrer Persönlichkeits-struktur
zu übertragen. |
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Avatare sprechen Gedanken der Seelen aus und führen
Handlungen entsprechend den Vorstellungen der Seelen aus. |
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Seelen im Seelenraum des Chatrooms kommunizie-ren
über ihre Avatare so, wie es auch die Seelen in den örtlichen Seelenräumen
getan hätten. |
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Die Seelen in den örtlichen Seelenräumen bekommen
die Resultate der Kommunikation zeitversetzt. Sie sind mit den Erlebnissen
der Avatare aber weniger intensiv verbunden als mit denen während einer
Inkarnation in einer Spielfigur. |
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Die Wesen der wirklichen Welt erleben die
Erlebnisse der Avatare wie ihre eigenen, aber weniger intensiv als bei einer
Inkarnation in einer Spielfigur. |
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Die Seele im Chatroom kann jederzeit Seelenupdates
aufnehmen, lässt sich also über Motivationen steuern. |
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Die Seele kann sich aufgrund ihrer eigenen
Handlungs-fähigkeit oder durch Impuls des wirklichen Wesens entscheiden, die Persönlichkeits-strukturen
des Avatars zu korrigieren. |
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Das Wesen kann die Seele veranlassen, die Persönlichkeits-struktur des Avatars zu korrigieren. |
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Interstellare Shows werden sorgfältig geplant und geprobt. Johe war zu einer Probe einer Veranstaltung eingeladen, in der zum dritten Mal über das von ihm zurzeit favorisierte Team berichtet werden sollte. Ausgeschrieben waren 144.000 Stellen für einen Robotereinsatz zur Pflege einer langen Versorgungsleitung in einem von gewalttätigen Kriminellen bedrohten Gebiet. Die Roboter sollten auch während eines feindlichen Übergriffs mit stoischer Ruhe weiterarbeiten und die Abwehr der Feinde den Polizeirobotern überlassen. Außerdem wurde, wie meistens in solchen Ausschreibungen, Treue zum Teamleiter gefordert, damit sich niemand während des Einsatzes abwerben ließ. Die Bewerber waren größtenteils noch in Raytracia inkarniert, um ihre Arbeitsprobe zu liefern, deren Aufzeichnung jetzt in der Castingshow vorgeführt und beurteilt werden sollte.
Johe hatte selbst die Idee gehabt, dass die von den Kandidaten gelenkten Spielfiguren besser informiert werden müssten, was sie überhaupt leisten sollten und wonach sie beurteilt würden. Und schon gab man ihm die Aufgabe, den anderen über seine eigene Spielfigur die Zwischenbeurteilungen und die Erwartungen der Jury bekanntzumachen. Jetzt wurde Johe klar, dass es kein Zufall war, dass ausgerechnet er den Hauptgewinn bekommen hatte. Die Problemlösung, die er für das Preisausschreiben eingesandt hatte, hatte in der Anwendung von medialen Fähigkeiten seiner Spielfigur bestanden. Diese arbeitete als reisender Wahrsager in Israel und Kleinasien. Sie war daran gewöhnt, Eingebungen und Visionen zu empfangen und weiterzugeben. Sein Umfeld erwartete von ihm, Nachrichten aus einer übernatürlichen Welt zu hören. Man hatte also gezielt nach jemandem gesucht, der für diese Übermittlung geeignet war. Wenn er jetzt also seine Spielfigur Johannes dazu bringen sollte, die gewünschten Informationen zu verbreiten, musste er ihn mit geeigneten Visionen versorgen und dafür sorgen, dass er sie sofort aufschrieb, eher er wichtige Details vergessen hatte.
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Johannes kam vom Markt auf der Insel Patmos zurück, wo er einen Kunden besucht und sich mit anderen Christen getroffen hatte. Er war ziemlich erschöpft, da er einen großen Stapel von Tontäfelchen schleppte. Als aus der Art geschlagener Sohn eines Schriftgelehrten hatte er die Kunst des Schreibens gelernt, benutzte diese Fähigkeit aber nur noch, um Einkaufslisten auf Tontafeln zu ritzen. Auf dem Markt war ihm sein Täfelchen zerbrochen. Der einzige Anbieter von Tontafeln hatte hartnäckig auf dem viel zu hohen Preis beharrt, es sei denn, Johannes nähme gleich den ganzen Vorrat. Nun hatte er so viele Tontafeln, wie er in zehn Jahren nicht zerbrach. Er stapelte sie vorsichtig auf dem Boden und lies sich daneben nieder. In seiner Erschöpfung dämmerte er gleich weg. Als er wieder aufwachte, kam er sich vor wie ein anderer Mensch, nach all den Visionen, die er gehabt hatte. Das waren keine normalen Träume. Er wurde das Gefühlt nicht los, dass alles, was er während der Erlebnisse so sorgfältig notiert hatte, jetzt auf den neuen Tontafeln stehen müsste, aber sie erwiesen sich als leer. Er nahm die erste in die Hand und versuchte, sich genau an alles zu erinnern und sofort zu notieren. Am Ende waren alle Täfelchen voll beschrieben. Er würde die Notizen morgen sofort in eine dauerhaftere Speicherform bringen. "Speicherform"? Solche unsinnigen Worte und Vorstellungen kamen ihm in den letzten Tagen dauernd. Aber warum sollte man Buchstaben nicht in einer Schriftrolle speichern wie Körner in einem Tonkrug? Aber konnte man sich wirklich Informationen beschaffen, indem man sie von einem Karren herunterlud? Oder warum sollte man Zauberkräfte zum Öffnen von Fenstern erlangen, wenn man einer Maus den Rücken kraulte? Solche Gehirnaussetzer mussten wohl an einem Sonnestich liegen. Jedenfalls würde er in der Schriftrolle seine Erlebnisse aus seiner Vision noch etwas geschliffener ausdrücken und auch einen geeigneten Beginn und Schluss formulieren. |
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Dies ist die Offenbarung
Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in
Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und gedeutet
seinem Knecht Johannes, der kundgetan hat das Wort Gottes und das Zeugnis
Jesu Christi, alles was er gesehen hat. |
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Womit sollte er nun anfangen? Ach ja, er sollte ja Grüße von den Teambetreuern in der Leitstelle bestellen: |
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Johannes den sieben Gemeinden in der
Landschaft Asiens: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da
war und der da kommt und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem
Thron. |
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Seine Leser wollten sicher wissen, wie es war, so eine Vision zu bekommen: |
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Der Geist kam über mich an des Herrn Tag. Und ich hörte hinter mir eine große Stimme wie
von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und
sende es an die sieben Gemeinden. |
Johe hatte für sein Auftreten im Chatroom einen Avatar mit dem Outfit seiner Spielfigur aus der Römerzeit gewählt. Er wurde von einem freundlichen weißhaarigen Mann begrüßt, der ihm über seine Befangenheit in Anbetracht des prächtig gestalteten Chatrooms mit seinen pompösen Kronleuchtern hinweghalf. Als Johe merkte, dass er sich von Angesicht zu Angesicht einem Avatar des prominenten Leiters seines Favoritenteams gegenüber sah, erschrak er so sehr, dass er auf die Schnelle die Persönlichkeitsstruktur, die er seinem eigenen Avatar mitgegebene hatte, durch ein Seelenupdate etwas aufpolieren wollte und ihn dabei versehentlich per Notbremse total deaktivierte. Nach ein paar Sekunden war das Seelenupdate übertragen und der Avatar konnte wieder aufleben.
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Johannes war es peinlich, bei der Begrüßung vor Schreck in Ohnmacht gefallen zu sein. Da er sich aber nach seiner Vision beim Anfertigen seiner Notizen an die vielen Ballettszenen der Show erinnerte, in denen in hundertfacher Weise das "vor-Ehrfurcht-zu-Füßen-Fallen" dargeboten wurde, kaschierte er sein Missgeschick: |
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Und als ich ihn sah, fiel ich zu
seinen Füßen wie ein Toter. Und er legte seine rechte Hand auf mich und
sprach: "Fürchte dich nicht." |
Da Johe alle Folgen der Show gesehen hatte und die Vorgeschichte genau kannte, wusste er, dass der Teamleiter bereits einen vorbildlichen Märtyrertod geliefert hatte und nun sein Team von der Leitstelle aus betreute. Eigentlich war sogar der Spielfigur Johannes die Geschichte vom Tod Christi und seinem körperlichen Erscheinen nach dem Tod vertraut. Der Teamleiter hatte aber angesichts des Schreckens, den sein Erscheinen hervorgerufen hatte, das Gefühl, eine Erklärung schuldig zu sein:
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Ich war tot und siehe ich bin
lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe den Schlüssel der Hölle und des
Todes. |
Die Proben begannen mit der Beurteilung der sieben Arbeitsgruppen, in die das Favoritenteam aufgespaltet war. Sie hatten sich auf sieben Gemeinden verteilt. In der Kulisse des Chatrooms befanden sich sieben Sterne, um showgerecht zu visualisieren, wie der Teamleiter die Verbindung zu den Wesen herstellte, die sich zur Zeit in den sieben Gemeinden inkarniert hatten. Jeder Eingeborenenstamm weiß, was eine Schamanenbetreuung ist, nämlich, dass die inkarnierten Wesen nicht allein gelassen werden, sondern über ihre Dorfschamanen Kontakt zu ihrer Leitstelle halten können, um sich gute Ratschläge von einer Stelle zu holen, die eine bessere Übersicht hat als die Spielfiguren. Diese Einrichtung gab es auch für die sieben Gemeinden.
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Johannes hatte einige Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden, mit dem er seine Adressaten bezeichnen sollte. Es waren die inkarnierten Verbindungsleute zu der höheren Ebene, aus der seine Vision stammte. Er wählte das Wort Engel, obwohl diese Bezeichnung für inkarnierte Wesen eigentlich ungewöhnlich war. |
Der erste Engel wurde zunächst gelobt, dass er gut zwischen echten Teammitgliedern und solchen, die ihn täuschen wollten, hatte unterscheiden können:
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und hast
geprüft die, welche sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht, und hast sie
als Lügner erfunden. |
Aber in seinem Privatleben hatte er etwas angerichtet, was beim Publikum gar nicht gut ankam, er hatte ein Herz gebrochen:
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Aber ich habe wider dich, dass du die
erste Liebe verlässest. |
Dem Engel von Smyrna musste Mut zugesprochen werden, da ihm die schlimmsten Prüfungen noch bevorstanden.
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Johannes überlegte einen Moment, wie er denjenigen bezeichnen sollte, dessen Rolle es war, Konfliktstoff und Probleme in die Spielhandlung einzubringen. |
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Der Teufel wird etliche von euch ins
Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet, und werdet haben Trübsal zehn
Tage. |
Der Engel von Pergamon hatte nicht genügend aufgepasst, dass sich seine Arbeitsgruppe klar zu dem Team bekannte und keinerlei Kontakt zu anderen Teams hielt:
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Aber ich habe ein Kleines wider dich,
dass du daselbst hast, welche an der Lehre Bileams
halten. |
Auch der Engel Thyatira hatte mit der Abwerbung von Personal durch fremde Teams zu kämpfen. Eine Headhunterin verführte seine Leute dazu, gegen die Richtlinien des Teams zu verstoßen und an Aufnahmeritualen ihres eigenen Teams teilzunehmen:
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Aber ich habe wider dich, dass du das
Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und
verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. |
Der Engel von Sardes wurde getadelt, weil er sich bisher zu passiv verhalten hatte, so dass der Teamleiter schon gar nicht mehr wusste, wegen welcher Verdienste er ihn an höherer Stelle empfohlen hatte:
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Du hast den Namen, dass du lebest,
und bist tot. Werde wach und stärke das andere, das sterben will, denn ich
habe deine Werke nicht völlig erfunden vor meinem Gott. |
Der Engel von Philadelphia hatte die Schwierigkeit, seine Schützlinge vor Abwerbungen zu bewahren, bravourös bestanden, so dass der Teamleiter ihn von weiteren Prüfungen dieser Art befreien wollte, indem er seine Widersacher bekehren würde:
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Siehe, ich werde geben aus des Satans
Synagoge, die da sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern lügen;
siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und niederfallen zu
deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. |
Der Engel von Laodicea hatte seine guten Startchancen, mit denen er ausgestattet worden war, genossen und keine Notwendigkeit gesehen, seine Arbeit zu machen, so dass der Teamleiter vehement mit ihm schimpfte:
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Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde
ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe gar
satt und bedarf nichts! |
Johe wurde über Lautsprecher zur Probe der nächsten Szene gerufen. Sie zeigte die Jury des Castings und deren Vorsitzenden. Sie saßen auf pompös gestalteten Thronen. Dicht bei ihnen standen die Avatare der Leiter der kandidierenden Teams in verschiedenen Menschen- und Tiergestalten, bedeckt mit einer Menge Augen. Wie in den meisten vorangegangenen Shows hatte es sich der Vorsitzende der Jury nicht nehmen lassen, auf einer Nachbildung des "Feuerstuhls" einzuschweben, eines Luftmotorrades, in dem Bewohner weit fortgeschrittener Raytracia-Welten sich von Dach zu Dach ihrer Hochhäuser bewegten, mit Düsenantrieb und sprechendem Navigationsgerät.
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Johannes war mächtig beeindruckt von dem Feuer speienden, sprechenden Thron und benutzte zur Beschreibung Worte aus der Welt der Gewitter: |
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Von dem Thron gingen aus Blitze,
Stimmen und Donner. |
Der Jury-Vorsitzende hielt ein Buch in der Hand. Im Seeleninternet braucht man natürlich nicht wirklich ein Buch, um Informationen zu bekommen. Es war mehr ein Symbolbild, ähnlich wie die Icons in einem Computer aus Johes voriger Inkarnation. Man benutzt solche Bedienungselemente, um den Zugang zu Informationen zu bekommen oder Aktivitäten auszulösen. In diesem Fall war geplant, dass der Zugang nur für denjenigen freigeschaltet wurde, dessen Team in der Bewertung vorn lag. Für alle anderen blieb das Bedienungselement unbeweglich. Es musste geprobt werden, dass jeder Teamleiter einen Versuch unternahm, das Buch zu öffnen. Johe war traurig, dass er nicht miterleben durfte, wie es jemandem wirklich gelang, da während der Proben die Entscheidung für einen Sieger noch nicht gefallen war. Aber man fand sich bereit, die Szene so zu proben, als sei es Johes Favoritenteam, das in der Bewertung vorn lag. Dessen Teamleiter war zur Anspielung auf seinen Märtyrertod als erwürgtes Lamm erschienen. Für den Fall eines Sieges lagen passende Songtexte für jedes einzelne Team bereit, so dass man sie jetzt singen konnte, so als sei das Lamm schon Sieger. So konnte Johe einer großartigen Ballettszene zuschauen, bei der alle vor dem Lamm niederfielen.
Was dann folgte, war ein Ausblick auf die weiteren Phasen des Castings. Während die ersten Arbeitsproben in der von einer ganzen Weltbevölkerung besetzten offiziellen Welt stattfanden, waren die Szenarien der bevorstehenden Trainingsphase zu extrem, so dass sie in einer eigens für diesen Zweck erzeugten Weltkopie stattfinden sollten. Dazu sollte aus einem gesicherten Stand der Welt eine Parallelwelt aus der Zeit abgezweigt werden, in der die Arbeitsproben entstanden waren. Sie sollte umgestaltet und dann in künftigen Folgen der Show online miterlebt werden wie ein Computerspiel im Netz.
Das Publikum sollte die Spieldesigner kennen lernen, die für die Umgestaltung der Weltkopie verantwortlich waren. Das Lamm löste ihr Auftreten jeweils aus, indem es eines der sieben Siegel des Buches löste. Die Designer hatten Reiterfiguren als Avatare gewählt und zeigten sich in Szenen, die symbolhaft ihre Spezialaufgaben darstellten. Der erste hatte einen Bogen und eine Krone. Seine Aufgabe war die Vorgabe der anfänglichen Machtverhältnisse der Spielparteien. Der zweite kam mit einem Schwert und hatte die Aufgabe, die Rahmenhandlung mit Konfliktstoff zu versehen. Der dritte hatte eine Waage. Er sollte die wirtschaftlichen Verhältnisse gestalten. Bei den Börsenkursen für Getreide war ihm freie Hand gegeben, bei Öl und Wein durfte er keine Änderungen gegenüber der Originalwelt vornehmen, um die Lebensgrundlage der Teilnehmer nicht zu sehr aufs Spiel zu setzen. Der nächste durfte über die Anzahl der Menschen und ihre Lebensdauer bestimmen.
Nach der Probe an diesen Szenen brach ein kleiner Tumult aus. Da bei der Ausschreibung die Fähigkeit gefordert wurde, trotz feindlicher Übergriffe mit stoischer Ruhe sich weiter seiner Aufgabe zu widmen, hatten viele Teammitglieder ein Schicksal gewählt, das mit einem Märtyrertod endete, um ihre bedingungslose Treue und ihr unbeirrbares Durchhaltevermögen zu demonstrieren. Sie waren nun versammelt und durften, wie ihnen als Belohnung versprochen worden war, an der Show teilnehmen. Ihnen war die bevorstehende Spielhandlung zu banal. Sie hatten gelitten und wollten nun die Bestrafung der Schuldigen und die Zerstörung von all dem sehen, was ihre Qualen verursacht hatte. Es gelang, sie zu beruhigen und auf die Zeit zu vertrösten, wenn ihre noch inkarnierten Teamkollegen auch dabei sein könnten. Sie gaben Ruhe, als sie schon die weiße Einheitskleidung anprobieren durften, die ihre Avatare in der Show tragen sollten. Als sich der Tumult gelegt hatte, wurde ihnen endlich gezeigt, welche Zerstörungen zur Bestrafung der Übertäter vorgesehen waren. Die Vernichtungen hatten eigentlich den Zweck, Gestaltungsfreiraum für eine neue Umgebung in der Weltkopie zu schaffen. Aber es wurde nun vorgesehen, dass die 144.000 Kandidaten des Siegerteams sich während der Zeit der Umgestaltung inkarnierten, um ihre Genugtuung direkt zu erleben. Natürlich blieb die offizielle Originalwelt davon verschont. Dort unterlagen die Seelen dem geregelten Karma-Mechanismus, der die erzieherische Bestrafung individueller und weniger grausam behandelte. Die 144.000 Kandidaten sollten vom Leid verschont bleiben. Dazu wurde den Spieldesignern eine Liste, das "Buch des Lebens", übergeben, und die Spielfiguren, die den Teilnehmern zur Inkarnation zugewiesen waren, wurden sorgfältig beschriftet, so dass sie selbst keinen Schaden nehmen konnten und auch von dem Massensterben nicht betroffen waren, das benötigt wurde, um die Anzahl gleichzeitig lebender Menschen in der Parallelwelt auf das gewünschte Maß zu reduzieren. Natürlich waren auch in der Weltkopie alle Spielfiguren mit Seelen verbunden, die beim Erstellen der verwendeten Sicherung mit kopiert worden waren. Diese leiteten aber ihre Erlebnisse nicht an Wesen der wirklichen Welt weiter, so dass niemand unter den Bestrafungen leiden musste. Es war so etwas wie ein Film. Nur die 144.000 Kandidaten bezogen das Geschehen direkt aus dem Erlebnisraum.
Nachdem die Aufstellung der Avatare der bereits durch Märtyrertod umgekommenen Kandidaten in ihren weißen Kleidern in der Nähe des Thrones geprobt worden war, gab der Teamleiter durch Entfernung des siebten Siegels von dem Buch das Zeichen für das Auftreten eines Engel-Orchesters. Jeder Engel war mit einer Posaune ausgestattet. Der Reihe nach ließen sie einen Posaunenton erklingen und starteten damit jeweils eine Vorschau auf eine Zerstörungsszene. Der letzte Posaunenton leitete dann wieder eine Ballettaufführung mit Gesang ein, um zu zeigen, dass dieser Teil der Umgestaltung abgeschlossen war.
Johe versuchte gar nicht erst, seiner Spielfigur Johannes Erklärungen über die Abzweigung der Weltkopie und die technischen Vorgänge der Umgestaltung und Bevölkerungsreduktion zu vermitteln. Gerechtigkeit, Rache und Zerstörung waren genau das, was Johe selbst und die Zuhörer von Johannes interessierte.
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In Johannes mischten sich die Genugtuung über die gerechte Bestrafung der Bösen mit Horrorgefühlen, als er an seine Vision von Katastrophen, Tod und Zerstörung zurückdachte. Er war gewohnt, über Visionen die Zukunft vorherzusehen, und stellte sich auch diesmal vor, dass er eine Art Weltuntergang vorausgesehen hatte, den die Menschheit offensichtlich verdient hatte, den er aber selbst miterleben würde. Auf jeden Fall hatte er die verdammte Ahnung, dass er seine Mitmenschen irgendwie warnen und sie dazu bringen müsste, sich so zu verhalten, dass ihr Name auf der Liste "Buch des Lebens" landen würde. Also füllte er Tontäfelchen um Tontäfelchen mit seinen Schilderungen, was ihnen andernfalls drohte. |
Außer dem Tumult der Märtyrer gab noch einen weiteren Zwischenfall. Eine mit ihrem Avatar von oben her einschwebende Assistentin brachte dem Regisseur die Beschreibung der nächsten Szene mit weiteren Zerstörungen. Diese stieß bei ihm aber ganz offensichtlich auf Missfallen, das er lauthals äußerte, ohne sich darüber klar zu sein, dass sein Wutausbruch über das ganze Lautsprechersystem des Chatrooms übertragen wurde. Es endete damit, dass ein Assistent über Lautsprecher die Entscheidung des Regisseurs verkündete, dass der Umgestaltungsvorgang nach dem Auftritt der Ballett-Tänzerin mit der siebten Schale endgültig abgeschlossen sein sollte. Johe wollte gerade darangehen, die übertragenen Worte mitzuschreiben, so wie er alles notierte, was er erlebte. Aber geistesgegenwärtig rief der Assistent ihm über den Lautsprecher zu, dies zu unterlassen und auch nirgendwo sonst etwas davon zu erzählen. Der Regisseur übergab in seinem Tobsuchtsanfall das missratene Manuskript dem Assistenten und wies Johe über Lautsprecher an, es aus dessen Hand zu übernehmen und zu vernichten, indem er es aufaß. Johe war völlig eingeschüchtert und tat, etwas zögerlich, wie ihm befohlen war.
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Johannes erinnerte sich an vom Himmel schwebende Engel und Donnerstimmen und vor allem an den Geschmack des süßlichen Manuskripts und die Magenbeschwerden, die er bekommen hatte, als er es verschlungen hatte. Was es war, was dem Regisseur nicht gefallen hatte, war ihm pflichtgemäß verborgen geblieben. |
Die meisten Castingshows enthielten solche Vorführungen eines Umgestaltungsprozesses. Das Publikum erwartete sie, langweilte sich dann aber schnell. Der Regisseur hatte deshalb zur Auflockerung ein interaktives Computerspiel vorgesehen, bei dem das Publikum mitmachen durfte. Drachenkämpfe kamen immer schon gut an. Es ging dieses Mal darum, dass einer Frau ein frisch geborenes Baby durch Monster abgejagt werden sollte. Die Anwesenden durften sich entscheiden, Monster oder rettende Engel zu steuern oder der Mutter durch Auffinden der rettenden Bedienungselemente zu helfen, z.B. dasjenige, das auslöste, dass sich im richtigen Augenblick die Erde auftat, um einen vom Drachen auf die Mutter geschleuderten Wasserstrahl zu verschlucken. Der Kampf weitete sich dann auf die ganze Erde aus. Dabei griff die gegnerische Partei zu der List, eine wichtige Funktionalität, nämlich die, Handel zu treiben, mit Passwortschutz zu versehen. Das Passwort war aber leicht zu knacken, denn es war kein maschinell erzeugtes, sondern ein von einem Menschen erfundenes. Es bestand aus dem Namen des Anführers der Gegner oder dreimal der Ziffer sechs, war also leicht zu erraten. Johe erfuhr es jedenfalls und übermittelte es durch die Vision an Johannes.
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Und es macht, dass sie allesamt ...
sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, dass
niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen
des Tieres oder die Zahl seines Namens. ... Wer Verstand hat, der überlege
die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist
sechshundertsechsundsechzig. |
Das Computerspiel wurde, während Johe dabei war, nur erprobt. Es sollte in das Umgestaltungsszenario, das das Publikum später miterleben sollte, integriert werden.
Nach dieser interaktiven Phase folgte eine Szene, in der der Teamleiter sein Team mit allen 144.000 Mitgliedern auf einem Hügel versammelte und dem Publikum in Form eines Liedes vorstellte als die, die sich bewährt hatten.
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Diese sind's, die sich mit Frauen
nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich, und folgen dem Lamm nach,
wo es hingeht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem
Lamm, und in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden; sie sind unsträflich. |
Das sind also die Kriterien, nach denen im Auswahlverfahren entschieden werden sollte: sexuelle Disziplin, Treue, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, Gesetze einzuhalten.
Dann wurden wieder Vernichtungsszenen geprobt. Jede einzelne wurde ausgelöst dadurch, dass eine Balletttänzerin eine Schale ausschüttete, die symbolartig den Zorn eines himmlischen Gerichts darstellten. Es ging hauptsächlich um die Vernichtung Babylons, eines Gebietes, in dem Konkurrenz-Teams tätig gewesen waren, die offensichtlich zu häufig gegen das Gebot der sexuellen Disziplin verstoßen hatten. Zwischen den Szenen ertönen immer wieder Gesangseinlagen, die die gegnerischen Teams rücksichtslos mobbten und den Gerechtigkeitssinn der Spielleitung zum Thema hatten. In Sachen Vernichtung und Bestrafung durfte man sich richtig austoben, denn es handelte sich um eine Weltkopie, die, nachdem der interaktive Teil unter Beteiligung des Publikums zu Ende gegangen war, nur noch von den 144.000 Kandidaten direkt erlebt wurde, die durch die von den Spieldesignern programmierten Regeln verschont blieben, so dass niemand wirklich leiden musste. Eine der Ballett-Tänzerinnen holte Johe ab, damit er die bombastisch gestaltete Zerstörung Babylons nicht versäumte, da dafür nur eine Stunde vorgesehen war, ein relativ kleiner Zeitraum, verglichen mit den anderen Zerstörungen.
Dann sollte durch eine Vorschau dem Publikum erklärt werden, wie die nächste Phase in die Wege geleitet werden sollte. Es wurde in der Weltkopie ein Zeitraum von 1000 Jahren reserviert, in dem das sonst in den üblichen Raytracia-Installationen gebräuchliche Spiel des Guten und des Bösen unterbrochen wurde, damit eine für das Führungskräftetraining geeignete Umgebung gestaltet werden konnte, das darauf hinauslief, eine sachliche Aufgabe zu steuern und nicht selbst zu kämpfen. Da wegen des unterschiedlichen Bildungsniveaus der Zuschauer alles bildlich dargestellt werden musste, wurde hier eine Szene gewählt, in der der Spieldesigner, dessen Aufgabe die Vorgabe von Konfliktstoff war, selbst in Form eines Monster-Avatars auftrat. Er wurde gefesselt und in den Abgrund geworfen. Im reservierten Tausendjährigen Reich war es in dieser Weltkopie nicht zugelassen, sich zu verkörpern, wenn man nicht dem Team angehörte. Die Teilnehmer sollten zusammen mit ihrem Teamleiter das Regieren üben.
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Johannes hatte die technischen Vorgänge nicht wirklich verstanden. Während er noch immer den Ohrwurmsong "Sie ist gefallen, die Hure Babylon" pfiff, schrieb er einfach haarklein auf, was er gesehen hatte: |
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Und ich sah einen Engel ... Und er
ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und Satan, und
band ihn Tausend Jahre, und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und
tat ein Siegel oben darauf. ... Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet
sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die
nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein
Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und
regierten mit Christus Tausend Jahre. Die anderen Toten aber wurden nicht
wieder lebendig, bis dass die Tausend Jahre vollendet wurden. |
Da der von dem Spieldesigner bereitgelegte Konfliktstoff während des Führungskräftetrainings eine wesentliche Rolle spielte, sollte nach Beendigung dieser Phase sowohl den Teilnehmern als auch dem Publikum die Möglichkeit gegeben werden, sich an ihm abzureagieren. Es sollte noch einmal ein interaktives Computerspiel gestartet werden mit einem Kampf der himmlischen Heerscharen gegen die der Bösen. Dazu wurde auch der gefesselte Satan wieder befreit. Natürlich war ein Happy End vorgesehen, die Vernichtung des Teufels, die dadurch visualisiert wurde, dass er in eine Mülltonne geworfen wurde.
In dieser Folge der Show sollte auch das Verfahren der Jury dargestellt werden. Alles, was die Kandidaten vollbracht hatten, wurde aufgezeichnet und sollte von der Jury jetzt beurteilt werden. Die Spielfiguren, die nicht von Kandidaten besetzt wurden, waren natürlich auch mit technischen Seelen bestückt, mit denen sich aber kein Wesen der wirklichen Welt verbunden hatte, außer während der interaktiven Computerspiele. Diese Seelen mussten natürlich nicht durchgecheckt werden und konnten jetzt gelöscht werden. Sie waren ja nur Kopien von Seelen der offiziellen Weltbevölkerung. Beim Durchchecken, welche Seele im Buch des Lebens aufgeführt war und welche nicht, wurden sie aussortiert und in das Vernichtungssymbol, die Tonne, geworfen.
Johe musste einen weiteren Wutanfall des Regisseurs aus seinen Aufzeichnungen weglassen, als plötzlich zwei Gestalten in organgefarbenen Westen auftauchten und die Tonne wegrollten. Der Regisseur schrie sie an, wer sie denn seien. Mürrisch antwortete einer von ihnen, dass in der Konfiguration dieses Chatrooms stündliche automatische Entleerung des Papierkorbes eingestellt wäre und die beiden die Visualisierung dieses Vorgangs darstellten.
"Aus welchem Jahrhundert kommen Sie denn?!!!" brüllte der Regisseur.
"Aus dem neunzehnten" antwortete der Befragte unwirsch.
"Wir spielen hier die Rööö-mer-zeit!!! Lassen Sie sich in der Kostümabteilung wenigstens einen passenden Avatar geben!"
Als die beiden sich entfernten, fragte der eine den anderen kopfschüttelnd: "Weißt du, wie ein Müllmann in der Rööö-mer-zeit aussieht?"
"Nee, keene Ahnung."
Der Regisseur schrie noch hinterher: "Lassen Sie sich etwas einfallen! Das ist ja zum Hörnerkriegen hier!"
Als er sich beruhigt hatte, wandte er sich an Johe: "Du bist doch gerade in der Römerzeit inkarniert. Wie sehen denn bei euch die Müllmänner aus?"
Johe sah ihn verständnislos an. Er hatte dem Regisseur mehr Sachkenntnis zugetraut. "Wir haben keine Müllabfuhr."
"Wie beseitigen denn Sie ihren Abfall?"
"Wir zünden in einer kleinen Mulde ein Feuer an und verbrennen ihn."
"Also ist auch die Tonne unpassend?"
"Natürlich, ich hatte mich schon gewundert, was sie soll."
"Also von der Vernichtung des Teufels an noch mal alles auf Anfang. Die Tonne wird durch einen feurigen Pfuhl ersetzt."
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Und ich sah einen großen weißen
Thron. ... Und ich sah die Toten ... vor dem Thron, und Bücher wurden
aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des
Lebens. Und die Toten wurden gerichtet, nach dem, was geschrieben steht in
den Büchern, nach ihren Werken. ... Und so jemand nicht gefunden ward
geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl. |
Nach dem Ausblick auf das Gericht war in jeder Show noch der Werbefilm für die Belohnung des Siegerteams fällig. In diesem Fall sollte das Team nach getaner Arbeit, also nach Ableisten der Reparaturarbeiten an der Versorgungsleitung, gemeinsam Urlaub in einem extra für sie gestalteten Erlebnisraum, einem mit Gold und Edelsteinen besetzten Jerusalem, verbringen. Außer den Teammitgliedern sollte niemand Zugriff darauf bekommen. In jeder Show wurde vorgeführt, welchen Fortschritt die Design-Arbeiten daran gemacht hatten.
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Und ich sah einen neuen Himmel und
eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das
Meer ist nicht mehr. Und ich die neue Stadt, das neue Jerusalem. ... Und wird
nicht hineingehen irgendein Unreines und nicht, der da Gräuel tut und Lüge,
sondern allein, die geschrieben sind in dem Buch des Lebens. |
Es herrschte nach alle dem Trubel wieder Ruhe im Chatroom. Der Regisseur lehnte sich in seinem Stuhl neben dem wärmenden Feuer zurück und streckte die Beine aus. Da er meinte, allein zu sein, glaubte er, auf die Orientierung an der Römerzeit verzichten zu können und wünschte sich zur Entspannung eine Tabakspfeife. Da in einem Chatroom alle Wünsche sofort Gestalt annehmen, wenn sie nicht auf Widerstand anderer Anwesender stoßen, hielt er im nächsten Augenblick sofort eine gefüllte Pfeife in der Hand. Er griff nach einem brennenden Holzstück aus dem feurigen Pfuhl, um sie anzuzünden. Als er sich wieder aufrichtet, stieß seine Pfeife gegen die Zacken eines Feuerhakens. Ein Monster-Avatar in schwarzer Kleidung und roter Haut mit Hörnern auf dem Kopf hatte diesen in der Hand, während er in der anderen eine Schaufel hielt, um sie als Krücke zu verwenden, da er offensichtlich eine Fußverletzung hatte.
"Darf ich mal bitte vorbei?", fragte das Monster artig.
"Haben Sie sich verletzt?" erkundigte sich der Regisseur teilnahmsvoll mit Blick auf den klumpenförmigen provisorischen Verband. Er zog seine ausgestreckten Beine sofort ein, um den Behinderten vorbeizulassen. Während dieser nun vorbei humpelte, hörte man, wie das als Sohle unter den Verband geschnallte Hufeisen, das wohl einer der Reiteravatare verloren hatte, Klack-Klack-Geräusche verursachte wie von einem Pferdefuss.
"Ja, ich habe aus Versehen in einen feurigen Pfuhl getreten. Ich kann damit noch nicht so gut umgehen."
"Was wollen Sie überhaupt noch hier? Für die Proben kommen Sie zu spät, damit sind wir für heute durch."
"In der Konfiguration dieses Chatrooms ist stündliche Feuerpfuhlreinigung eingestellt.", erklärte das Monster und machte sich daran, die Asche rund um das Feuer zusammenzuschaufeln. Immer noch damit rechnend, wieder einen Wutanfall auszulösen, fragte das Monster ängstlich: "Geht das jetzt so mit dem Avatar? Ich hatte es nicht ganz verstanden, Sie sagten da etwas von Hörnern."
Johe hatte aus dem Hintergrund die Szene beobachtet, aber aus Angst, wieder irgendetwas verschlingen zu müssen, was dem Regisseur nicht gefiel, stahl er sich ohne Abschied davon.
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Johannes wollte noch etwas über die Ablösung der Tonne durch den feurigen Pfuhl und die Reinigungsarbeiten schreiben. Aber seine Tontafeln wurden knapp. So beschrieb er die Szenen gleich in ihrer endgültigen Form, ohne Tonnen und Müllmänner. Für die Schlussszene war dann auch gar kein Platz mehr, so dass er Schilderungen des Monsters später nur mündlich nachreichte. Er übertrug seine Notizen in saubere Schriftrollen und überbrachte sie den sieben Adressaten. Außerdem erzählte er allen, die bereit waren, ihm zuzuhören, von seiner Vision. |
Johannes verbreitete seine Schriften in der offiziellen Welt von Raytracia, in der alle Menschen von Wesen der wirklichen Welt gesteuert wurden. Er ahnte nicht, dass sein Text noch nach zweitausend Jahren in der physikalischen Zeitrichtung als "Offenbarung des Johannes" in einem großen Buch namens Bibel aufbewahrt und vervielfältigt wurde und die Vorstellung von Millionen von Menschen prägen würde, wer und was sie nach dem Tod erwartete. Die Ausschreibung ist inzwischen längst beendet, die Parallelwelt ist abgezweigt und umgestaltet. Das Team des Lammes hat tatsächlich gesiegt, seine Roboter erfolgreich gesteuert, um die Leitung zu reparieren, und dann seine Ferien im goldenen Jerusalem verbracht. Jeder durfte solange bleiben, wie er wollte. Aber so eine Umgebung wird schnell langweilig. Inzwischen haben die meisten sich an anderen Ausschreibungen beteiligt.
Der Teamleiter hat sich mit zunehmendem Seelenalter auf interne Einsätze spezialisiert, bei denen es weniger auf Opfermut ankommt, wie bei den gefährlichen Außeneinsätzen, sondern mehr auf verantwortungsbewusstes Handeln. Von der offiziellen Welt wurden viele Weltkopien abgezweigt für lokale, temporäre Zwecke, aber auch solche, die von ganzen Weltbevölkerungen durchzogen wurden. In vielen davon wurde die Lehre des Lammes weiter ausgebaut und als Grundlage für weltweit verbreitete Kulturen verwendet.
Damit ein Mensch aufnahmefähig für eine Steuerung aus dem Seelenraum wird, wird er häufig dazu gebracht, höhere Hilfe regelrecht anzufordern. Ein Mensch kann sich durch Beten jederzeit an seine persönliche Hotline wenden. Die Vorstellung, dabei in Kontakt mit der Seele des Lammes zu treten, hat sich als hilfreich erwiesen. Dadurch, dass sich immer wieder Menschen beim Googeln im Seeleninternet einen Kontakt mit dem Lamm vorgestellt haben, ist dieses in der Suchmaschine ein Knotenpunkt für den Informationsaustausch im großen Weisheitswikipedia geworden, in das alle Seelen ihre Erkenntnisse einspeisen und das jedem jederzeit zugänglich ist.
Viele Weltkopien haben bisher ein Zeitalter erreicht, das dem entspricht, in dem Johe sich als Joe Smith inkarniert hatte. Der Text von Johannes ist beim Kopieren übernommen und in Zeiten gerettet worden, in dem computerbegeisterte, internet- und fernsehsüchtige Menschen ihn endlich verstehen können. Der Regisseur hat sich übrigens aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und berät jetzt Showmaster im Fernsehen von Raytracia.
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Mehr über den
Umgang von Kulturgöttern mit Weltkopien Hier erfahren Sie, wie die Welt, in der Sie leben, seitwärts
in der Zeit entwickelt wurde, indem die Kulturgötter mit früheren
Sicherungskopien wieder aufsetzten und diese umgestalteten. |
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Ein Science-Fiction-Roman ohne Handlung
© Copyright by Andrea E. Kaiser