Bringt
die Materie den Geist hervor, oder beeinflusst Geist die Materie?
Ganz grob gesehen sind vier Modelle denkbar:
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1
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Es gibt nur Materie,
keinen Geist. Unsere Reaktionen auf Wahrnehmungen, unsere Gefühle und unser
Ich-Bewusstsein entstehen nur durch Schaltungen und chemische Vorgänge im
Gehirn.
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2
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Materie ist die alleinige
Ursache allen Geschehens in der Materiewelt, auch unserer Reaktionen,
Gefühle und unseres Ich-Bewusstseins. Geist existiert außerhalb der
Materiewelt und bezieht Wahrnehmungen aus der Materie, d.h. wir als
Geistwesen sind in der materiellen Welt nur Zuschauer.
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3
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Materie und Geist
existieren unabhängig voneinander, können sich aber verbinden. Geist nimmt
die materielle Welt wahr und kann sie beeinflussen.
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4
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Es existiert nur
Geist. Die materielle Welt ist eine Illusion.
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Auseinandersetzungen über
Modell 1 verlaufen häufig emotional und sogar aggressiv. Grund ist
wahrscheinlich, dass die Verfechter des Materialismus sich von religiöser
Bevormundung befreien wollen. Religionen wurden genutzt, um die Macht
absoluter Monarchen zu begründen oder Menschen zu gehorsamen Staatsbürgern
und Arbeitern zu erziehen. Auch im privaten Bereich verwenden Eltern
religiöse Drohungen als Erziehungsmittel. Die Gegner der Religion haben die
Meinung verbreitet, an höhere Mächte zu glauben, sei verstandeswidrig. Mit
der Einführung von Formen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens, an dem
viele Menschen mitgestalten dürfen, hat man sich auf die Vernunft zur Klärung
von Konflikten geeinigt, was sich auch einigermaßen bewährt hat. Folge ist
leider, dass Menschen lächerlich gemacht werden, die gern an Mächte glauben
möchten, die der Materie übergeordnet sind. Die Gegner des Materialismus
reagieren allerdings auch sehr emotional auf Andersdenkende, da sie gewohnt
sind, sich gegenseitig in ihrem Glauben zu bestärken, und sich deshalb leicht
angegriffen und verletzt fühlen. Zu ihrem Glauben gehört teilweise auch die
Vorstellung, Interessenvertreter höherer Mächte zu sein und für diese
missionieren zu müssen.
Als Argument für Modell 1 wird
angeführt, dass sich die Phänomene der Natur auf Wechselwirkungen kleinster
Teilchen zurückführen lassen. Der Physiker Laplace hat die Vorstellung
entwickelt, dass man nur den Zustand der Welt zu einem einzigen Zeitpunkt
kennen müsste, um alle anderen Zustände der Vergangenheit oder Zukunft davon
abzuleiten. Evolutionsbiologen erklären die Entstehung der Lebewesen durch
natürliche Selektion der am besten an die Umwelt Angepassten, wobei
Vererbungsmechanismen eine Rolle spielen, die in der molekularen Ebene
begründet sind. Vorgänge im Gehirn werden gründlich erforscht und auf
Stromstöße und chemische Vorgänge zurückgeführt. Durch Computerprogramme
lassen sich neuronale Schaltungen stark vereinfacht simulieren. Computer
werden durch solche Programme lernfähig und erkennen Muster wieder.
Gegen Modell 1 spricht, dass es
parapsychologische Phänomene nicht erklären kann wie Telepathie,
außerkörperliche Erfahrungen, Erlebnisse von Menschen in Augenblicken, in
denen sie klinisch tot waren, und Erinnerungen an frühere Leben. Außerdem
wird durch die Quantentheorie der totale Determinismus in Frage gestellt. Zu
jedem Zustand der Welt gibt es, ihr zufolge, mehrere
Fortsetzungsmöglichkeiten, über deren Eintreffen die Physik nur
Wahrscheinlichkeiten angibt. Ohne die Entscheidung eines übergeordneten
Geistes müssen alle Möglichkeiten realisiert werden, da nichts existiert, was
eine einzelne Möglichkeit ausschließt. Die Kopenhagener Deutung der
Quantentheorie geht von Entscheidungen eines "bewussten
Beobachters" aus, wobei spekuliert wird, ob das System diese Beobachter
selbst hervorbringt.
Gegen Modell 2 (nur Zuschauer,
keine Einflussnahme) spricht, dass es nicht erklären kann, wie uns die auf
parapsychologischem Weg wahrgenommenen Erkenntnisse mitgeteilt werden, denn
ein Zuschauer müsste dazu sprechen oder schreiben, also Materie beeinflussen.
Gegen Modell 4 (Materie ist
Illusion) scheint zunächst zu sprechen, dass die Materie sich nicht total
nach unseren Wünschen formt. Aber der, der das erlebt, ist ja auch nicht der
vollständige oder einzige Geist. Die Widerspenstigkeit der Materie ist durch
die Mitwirkung anderer Geistwesen an der Gestaltung der Welt erklärbar.
Eine Auswahl zwischen Modell 3
und 4 ist aus unserer irdischen Perspektive nicht möglich.
Mein Sciencefiction-Roman
"Onlinehilfe der Welt" beschreibt die Welt als System, das in einem
Computer programmiert ist. Ein Teil des Computerspeichers beinhaltet die
Raumzeit, ein weiterer die Seelen. Diese sind Gebilde aus künstlicher
Intelligenz. Das Programm, das den Inhalt des Raumzeit-Speichers erzeugt,
schickt Informationen an die Seelen und erhält Input von ihnen. Dieses
Nebeneinander von Materie und Geist entspricht Modell 3 (Materie und Geist
nebeneinander). Aus Sicht der Benutzer des Programms in der wirklichen Welt,
die sich über eine Seelenschnittstelle mit einer Spielfigur Mensch verbinden,
handelt es sich um Modell 4, denn für die Benutzer ist die irdische Materie
eine Illusion. Sie haben das Programm geschrieben und können Entscheidungen
über alle Quantensprünge treffen.
Der Roman ist der Text, den ein
Benutzer erhält, wenn er über die F1-Taste des Systems die Onlinehilfe
aufruft, die ihm erläutert, wie das System arbeitet, und seine Funktionsweise
an Beispielen darstellt. Ein solcher Roman muss sich, auch wenn es erkenntnistheoretisch
mehrere Möglichkeiten gibt, immer für eine entscheiden. Es steht also häufig
da "Es ist so oder so ...". Damit soll nicht eine neue Wahrheit
verkündet werden. Der Text soll durch ein Denkmodell als Beispiel zeigen,
dass es zumindest nicht verstandeswidrig und lächerlich ist, an Geist
außerhalb der Materie zu glauben. Der Verstand ist in der Lage, mindestens
dieses eine Beispiel zu begreifen, wenn man nur die richtigen Vokabeln
benutzt. Wer Freude an philosophischen Spekulationen hat, kann sich dann
weitere Varianten ausmalen.
Nicht geklärt ist allerdings,
wie Geist und Materie in der Welt unserer Schöpfer zusammenwirken, und in der
Welt von deren Schöpfern usw ...
Parapsychologische Phänomene
und Quantensprünge sind vielleicht eine spezielle Eigenart des Programms, das
unsere irdische Welt erzeugt. Damit würde schon auf der nächsthöheren Ebene
das einzige Argument für einen Geist außerhalb der Materie entfallen. Dort
können also Modell 1 und 2 zutreffen.
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